Der Blick vom Kirchturm
Nr. 1 März 2004
Die Christophorusgemeinde
wünscht allen Lesern
ein gesegnetes
Osterfest!
"Gott will, dass alle Menschen gerettet werden und zur Erkenntnis der Wahrheit gelangen." (1. Timotheus 2,4)

Liebe Scheerstaaner,
liebe Mitglieder unserer Christophorusgemeinde,

"meinen Glauben habe ich ja schon (irgendwie), aber ich brauche dazu keine Kirche ...", so oder so ähnlich geht eine nicht selten geäußerte Meinung. "Ich habe ja meinen persönlichen Glauben (der niemanden etwas angeht). Was brauche ich da Kirche, Pfarrer und so weiter." Wenn dann noch das Geld knapper wird und man nach Sparmöglichkeiten Ausschau hält, ist auch der Austritt schnell vollzogen. Neben dem allgemeinen Dahinschwund der deutschen Bevölkerung ist dies ein wirkliches Problem für die Zukunft unserer Kirche und Gemeinden geworden. Die Lasten der Bauunterhaltung drücken, die Möglichkeiten, flächendeckend Angebote zu machen, werden enger.

Ich möchte darum dem oben zitierten Wort ein wenig widersprechen. Schon aus dem einfachen Grund, dass der christliche Glaube ohne irgendeine Form von Kirche schlicht verschwinden würde. Wo nichts mehr vom Glauben gesagt, getan und an die nächste Generation weitergegeben wird, verschwindet der Glaube und die Kultur. Andere Glaubens- und Kulturformen besetzen den freien Platz, es entsteht Raum für Fanatismus und Verirrungen aller Art. Ist nicht dies allein schon Grund genug, in der Kirche zu bleiben und kirchliches Leben aktiv zu unterstützen?

Ein weiteres gibt der Monatsspruch für Mai zu bedenken: Gott will, dass alle Menschen gerettet werden, dass alle zum Glauben finden. Für dieses universale Projekt braucht es unbedingt eine starke Gemeinschaft. Nur die Gemeinschaft der Kirche, nur die Stärke und Einsatzbereitschaft vieler Mitglieder kann Menschen gewinnen und den Glauben zu allen Menschen tragen.

Zuletzt denke ich, dass auch der eigene persönliche Glaube ohne die Gemeinschaft der Kirche nicht wirklich leben und bestehen kann. Er ist dann eine eingemauerte Uberzeugung, die im stillen Kämmerlein des Herzens unweigerlich verkümmern muss. Glaube braucht lebendige Ansprache und Austausch, braucht Pflege, Herausforderung und Weiterentwicklung im Lebenslauf. Auch darum ist Kirche, Gottesdienst und Gemeinschaft notwendig, damit der persönliche Glaube leben und wachsen kann.

Ich hoffe und wünsche, dass wir das erfahren können, auch an Ostern: dass der persönliche Glaube jedes Einzelnen leben kann in der Gemeinschaft der Kirche. Denn darum brauchen wir sie.
Mit herzlichen Grüßen zum Fest der Auferstehung Christi

Pfarrer Jörg Mohn

Grafik: Sandra Cotes de Moreno
Grafik: Sandra Cotes de Moreno


Stichwort: Karfreitag

Der Tod Jesu am Kreuz ist eines der historisch am besten gesicherten Ereignisse der Geschichtsschreibung. In vielen weiteren nichtchristlichen und christlichen Texten wird Jesu Tod und Todesart bezeugt, wenn sich auch das Jahr nicht exakt bestimmen lässt. Die Kreuzigung Jesu ist allein von der Auferstehung an Ostern her zu verstehen, betonen Theologen. Jesus Christus habe mit seinem Opfer "unsern Leib und unsere Seele von der ewigen Verdammnis" erlöst, so der protestantische Heidelberger Katechismus von 1563. Daher gilt der Karfreitag als höchster Feiertag der evangelischen Kirche. Der Grundgedanke über alle Konfessionen hinweg ist dabei: Im Leben und Sterben Jesu ist "Gott selbst zur Welt gekommen". Das Kreuz symbolisiert die Zuwendung Gottes zu den Ärmsten der Welt.

An Karfreitag erinnern Christen an das Leiden und Sterben Jesu am Kreuz. Die von Jesus von Nazareth ausgehende Bewegung schien mit dessen gewaltsamem Ende zunächst abgeschlossen Nach der Kreuzigung und der von den Jüngern bezeugten Auferstehung Christi an Ostern nahm das Christentum jedoch erst seinen Anfang.

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