Franz von Assisi

Warum er bis heute fasziniert

Foto: © Art Institute of Chicago

Zum 800. Todestag rückt eine Figur in den Blick, die durch existenzielle Lebenserfahrungen und radikale Konsequenz bis heute fasziniert. Kaum eine Gestalt der Kirchengeschichte wirkt bis heute so unmittelbar wie Franz von Assisi. Im Jahr 2026 rückt er noch einmal besonders in den Blick: Es ist der 800. Jahrestag seines Todes. In Assisi wurde dazu ein eigenes Jubiläumsjahr eröffnet, das vom 10. Januar 2026 bis zum 10. Januar 2027 dauert; der zentrale Gedenktag ist der 3. Oktober 2026.

Franz, eigentlich Giovanni di Pietro di Bernardone, wurde 1181 oder 1182 in Assisi geboren. Er stammte aus wohlhabenden Verhältnissen, war der Sohn eines Tuchhändlers und führte zunächst kein Leben, das auf Heiligkeit hindeutete. Er träumte eher von Ruhm und Rittertum als von Askese. Erst Kriegserfahrungen, Gefangenschaft, Krankheit und persönliche Krisen veränderten seinen Blick auf die Welt grundlegend. Gerade diese nahbaren Lebenserfahrungen machen ihn bis heute verständlich: Er war kein Mensch, der sich dem Glauben aus sicherer Distanz zuwandte, sondern einer, der die Frage nach dem wirklich Wichtigen im Leben stellte.

Was folgte, war kein langsamer Reifungsprozess, sondern ein radikaler Bruch. Franz wandte sich vom Wohlstand seiner Herkunft ab, suchte die Nähe zu Armen und Kranken und verstand das Evangelium als konkrete Lebensform. Seine Armut war kein Ideal, sondern eine bewusste Gegenposition zum gesellschaftlichen Status. Hinter diesem Schritt stand eine Leitfrage, die bis heute modern klingt: Was ist im Leben wirklich entscheidend – Ansehen, Sicherheit und Besitz oder eine Haltung, die trägt? Um Franz sammelten sich Gefährten; daraus entstand letztlich der Franziskanerorden. Schon zwei Jahre nach seinem Tod wurde Franz heiliggesprochen – ein ungewöhnlich schneller Schritt, der zeigt, wie stark seine Wirkung bereits zu Lebzeiten gewesen sein muss. Bis heute fasziniert Franz nicht nur wegen seines Armutsideals, sondern auch wegen seines Blicks auf die Schöpfung. Darum gilt er bis heute als Patron des Friedens, der Tiere und der Ökologie. Gerade in einer Zeit, in der Fragen nach Nachhaltigkeit, Genügsamkeit und Verantwortung neu gestellt werden, wirkt Franz von Assisi erstaunlich gegenwärtig.

Zugleich eignet sich Franz von Assisi in besonderer Weise für eine wertschätzende ökumenische Erinnerung. Seine Gestalt überschreitet konfessionelle Grenzen, weil sie weniger für kirchliche Selbstbehauptung steht als für Glaubwürdigkeit, Einfachheit und gelebte Nachfolge. Vielleicht erklärt genau das seine anhaltende Nahbarkeit: Franz erscheint nicht fern und unantastbar, sondern als jemand, dessen Suche, Zweifel und Konsequenz auch heutige Menschen berühren können.

Daniela Hillbricht