Teresa von Ávila

Die Frau, die Gott einen Freund nannte


Ávila, 1535. Eine junge Frau betritt das Karmelitinnenkloster der Menschwerdung – nicht aus tiefer Berufung, wie sie später selbst zugeben wird, eher aus Vernunft und ein bisschen aus Angst. Teresa de Cepeda y Ahumada ist zwanzig Jahre alt, aufgeweckt und gesellig.

Teresa wird als dritte von zehn Kindern eines kastilischen Kaufmanns geboren. Ihre Familie hatte jüdische Konvertitenvorfahren. Diesen Makel behielt man ein Leben lang in Spanien zur Zeit der Inquisition bei. Teresa wird nach dem Tod ihrer Mutter von Augustinerinnen erzogen, später tritt sie selbst ins Kloster ein. Es folgen fast zwei Jahrzehnte des Suchens. Teresa leidet unter schweren Krankheiten, zweifelt, betet pflichtbewusst. Dann passiert etwas, das alles verändert: Zwischen 1554 und 1560 macht sie tiefe mystische Gebetserfahrungen und erkennt, was der Glaube im Kern bedeutet. Im Spanien des 16. Jahrhunderts herrscht eine klare Vorstellung von Frömmigkeit. Fasten, büßen, barfuß laufen, möglichst hart zu sich selbst sein. Teresa lehnt diese Art von Glauben und Frömmigkeit ab.

„Ich lege großen Wert auf die Tugenden und nicht auf den Rigorismus“,

schreibt sie einem Mitbruder. Was für sie zählt, ist nicht die äußere Strenge, sondern die echte innere Haltung voller Demut, Nächstenliebe und Wahrhaftigkeit gegenüber sich selbst. Auf dieser Glaubensgrundlage gründet Teresa das Reformkloster San José in Ávila. Bis zu ihrem Tod gründet sie 32 Klöster. In ihren Gemeinschaften lehnt sie Standesunterschiede und Adelsprivilegien ab. Wer aufgenommen werden will, braucht keine einflussreiche Familie, nur eine echte Berufung.

Teresa von Ávila hinterlässt viele Schriften. Darunter ist auch „Die innere Burg“. Darin beschreibt sie den Weg der Seele zu Gott als Gang durch sieben Gemächer einer Burg vom äußeren Vorhof bis zur Mitte, wo die Begegnung mit Gott geschieht. Ihre Schriften werden von der Inquisition mit Argwohn und Misstrauen betrachtet. Teresa findet aber auch starke Verbündete, darunter König Philipp II. von Spanien.

Im Oktober 1582 stirbt Teresa in Alba de Tormes. Vierzig Jahre nach ihrem Tod wird Teresa heiliggesprochen. 1970 würdigt Papst Paul VI. und ernennt sie zur Kirchenlehrerin (Doctor Ecclesiae).
Teresa erinnert bis heute daran: Glauben ist keine Leistung, sondern beginnt mit Vertrauen – und einer lebendigen Beziehung zu Gott.

Das Gemälde "Die Heilige Teresa von Avila" (1515-1582) von Peter Paul Rubens um 1615.