Wort an die Gemeinde

„Meine Hilfe kommt vom HERRN.“


Liebe Leserin, lieber Leser, liebe Glieder und Freunde unserer Gemeinde,

was für Zeiten! Viele von uns fühlen sich gerade, als zerfalle die Welt. Ein kurzer Rückblick in die letzten 20 Jahre erklärt etwas dieses Gefühl:

- der 11. September 2001 erschüttert die USA und die Welt
- 2014 -  Russland überfällt die ukrainische Halbinsel Krim
- 2015 -  große Flüchtlingskrise in Europa
- 2017 – 2021 in den USA regiert (und wütet) Präsident Trump
- 2020 – bis … Corona
- 2022 -  Russland überfällt die Ukraine

Infolge des Krieges in der Ukraine und unserer Unterstützung des überfallenen Landes kommt es zu Gasmangel. Zugleich weitet sich die Hungerkrise in der Welt dramatisch aus – es ist außerdem ein überheißer Sommer in Europa mit schwerem Wassermangel und zuletzt einem vergifteten polnisch-deutschen Fluss Oder.

Die Welt scheint zu zerfallen. Zudem wächst das Gefühl, in manchen Staaten könne heute jeder und jede tun, was er oder sie will. Dieses Gefühl des äußerlichen Zerfalls geht nicht an unseren Seelen vorüber, es berührt und bedrückt uns. Manche stemmen sich dagegen mit allen Mitteln der Liebe und der Zuneigung – anderen fehlen diese Mittel. Wer seelisch nicht stark war, wird noch schwächer oder droht zu zerfallen. Die Kräfte, um zu widerstehen, lassen nach oder sind nicht mehr da.

Es ist nicht übertrieben zu sagen: Viele Menschen fühlen sich mit ihren Kräften am Ende.

Es macht großen Sinn in dieser Lage zunächst ehrlich einzugestehen: Wir Menschen haben das Wohl der Erde nicht im Griff. Immer wieder scheitern wir an uns und anderen. Dann aber nicht stehen bleiben, sondern sich umsehen und wie der Psalmbeter (Psalm 123,1) fragen: Woher kommt mir Hilfe?

Ein Beispiel: Der katholische Schriftsteller Reinhold Schneider (1903–1958) lebte als entschiedener Gegner der Naziherrschaft; er war seelisch krank und fühlte sich oft hilflos. Eins ließ er sich aber nicht nehmen. Er suchte für seinen Alltag die Kraft des Gebetes. Woher kommt mir Hilfe?, fragte er. Und antwortet sich und anderen: Ich wende mich mit meinen Worten an Gott, den Herrn des Himmels und der Erde. Mein Beten, das wusste Schneider, bringt nicht gleich alles Übel aus der Welt, aber es macht mich ruhiger. Ich gebe Sorgen aus meiner Hand und bitte Gott: Nimm dich meiner, nimm dich unserer Sorgen an.

So ist die schwierige aktuelle Lage nicht nur ein Grund zur Betrübnis, sondern erst recht ein Grund, sich persönlich und gemeinschaftlich Gott zuzuwenden, in dessen Händen die Geschicke der Welt liegen und von dem unsere Hilfe kommt.

„Meine Hilfe kommt von dem Herrn, der Himmel und Erde gemacht hat.“
(Psalm 121, 2)

Mit herzlichen Grüßen

Ihr/Euer Pfarrer Dr. Mohn