120 Jahre Dietrich Bonhoeffer
1906-1945


Heute wäre Dietrich Bonhoeffer 120 Jahre alt geworden. Der am 4. Februar 1906 in Breslau geborene evangelische Theologe Dietrich Bonhoeffer wurde vor 75 Jahren – am 9. April 1945 – im Konzentrationslager Flossenbürg, zusammen mit anderen Widerstandskämpfern gegen den Nationalsozialismus, hingerichtet.

Was von den Nazis zu erwarten war, begriff Bonhoeffer schon früh: das Ende aller bürgerlichen Freiheiten in Deutschland und einen erbarmungslosen Kirchenkampf – es sei denn, die Kirche würde sich gleichschalten lassen und ein ungestörtes Dasein mit dem Verzicht auf ihr prophetisches Wort erkaufen.
Er protestierte gegen den Ausschluss von Menschen jüdischer Abstammung von kirchlichen Ämtern und war in der „Bekennenden Kirche“ aktiv. Doch irgendwann genügte diese innere Emigration in kleinen Zirkeln nicht mehr: Unter bestimmten Voraussetzungen könne es für die Kirche notwendig werden, „nicht nur die Opfer unter dem Rad zu verbinden, sondern dem Rad selbst in die Speichen zu fallen.“
Dietrich Bonhoeffer, der Gelehrtentyp mit dem nüchternen Verstand, begann das schwierige Handwerk eines politischen Verschwörers zu erlernen. Auf raffinierte Weise schleuste er vom Tod bedrohte Juden über die Reichsgrenze. Von der Abwehr ließ er sich als „Geheimagenten“ ins Ausland schicken, wo er Kontakte zum deutschen Widerstand herstellte. Im April 1943 wurde er verhaftet. Er wartete auf den Tod, mit dem er sich nach langem Aufbäumen aussöhnte.

Gewiss ist, dass im Leiden unsere Freude, im Sterben unser Leben verborgen ist.
Dietrich Bonhoeffer

Am frühen Morgen des 9. April 1945 wurde Dietrich Bonhoeffer im ober-pfälzischen Konzentrationslager Flossenbürg hingerichtet. Im tristen Dunkel der Gefängniszelle, während Gott sich zu verhüllen schien, hatte er einen trotzig-vertrauensvollen Glauben gelernt.
Man müsse heute in der Welt leben, „als ob es Gott nicht gäbe“, gibt der Häftling Bonhoeffer zu bedenken. Gott ist da in dieser Welt, aber nicht als majestätischer Herrscher, sondern als Leidender, ohnmächtig, dienend. Gott leidet mit seiner Welt mit, er gibt sich hin – und verwandelt damit die Not. Die Zukunft werde einem „religionslosen“ Christentum gehören. Keine Religion mehr als Flucht aus der Verantwortung. Kein Lückenbüßer-Gott mehr, kein Christus als Medizin für die Krankheiten dieser Welt, die wir selbst kurieren sollen. Dafür aber ein kraftvolles Christsein, das verantwortlich handelt und den Menschen dient.


Christian Feldmann