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Wenn Fußballer von Gott sprechen
Das Glaubenszeugnis des Felix Nmecha
Dass Fußballer nach einem Spiel gemeinsam beten, ist in vielen Teilen der Welt nichts Ungewöhnliches. Im deutschen Profifußball dagegen waren solche Bilder lange Zeit kaum vorstellbar. Umso bemerkenswerter war es, dass sich während der Fußball-Weltmeisterschaft Spieler aus Deutschland und Curacao – unter ihnen Felix Nmecha und Jonathan Tah – gemeinsam zum Gebet versammelten.
Noch vor wenigen Jahren wäre ein derartiges öffentliches Glaubenszeugnis deutscher Nationalspieler wohl kaum denkbar gewesen. Über Jahrzehnte gab es im deutschen Spitzenfußball also entweder keine gläubigen Spieler oder es dominierte eher die Haltung, dass Religion Privatsache sei und im öffentlichen Raum möglichst keine Rolle spielen sollte. Dass heute Nationalspieler offen von Jesus Christus sprechen und gemeinsam beten, ist deshalb ein bemerkenswertes Zeichen.
Felix Nmecha beschränkt sich dabei nicht auf Gesten nach dem Spiel. Auch in den sozialen Medien bekennt er sich immer wieder zu seinem Glauben an Jesus Christus. Er zitiert Bibelverse, spricht von Gottes Führung und macht deutlich, dass sein Glaube das Fundament seines Lebens sein soll. In einer Zeit, in der prominente Sportler ihre Reichweite häufig zur Selbstdarstellung oder Vermarktung nutzen, ist ein solches öffentliches Bekenntnis durchaus ungewöhnlich und verdient Respekt.
Auffällig ist dabei, dass sowohl Felix Nmecha als auch Jonathan Tah familiäre Wurzeln außerhalb Deutschlands haben. Auch die Kugelstoß-Olympiasiegerin Yemisi Ogunleye, deren Familie aus Nigeria stammt, bekennt sich offen zum christlichen Glauben und gehört einer Freikirche an. Diese Beobachtung verweist auf einen gesellschaftlichen Wandel: Während der christliche Glaube in der deutschen Mehrheitsgesellschaft vielfach an Bedeutung verloren hat, ist er für viele Menschen mit familiären Wurzeln in Afrika, Lateinamerika oder Teilen Asiens selbstverständlich Teil ihrer Identität. Gerade afrikanische Kirchen zeichnen sich häufig durch einen lebendigen, missionarischen Glauben aus, der sich nicht auf den privaten Bereich beschränkt. Dass solche Christen ihren Glauben auch im Sport offen leben, überrascht deshalb weniger.
Dennoch sollte man nicht vorschnell urteilen. Es gibt selbstverständlich tiefgläubige Christen ohne Migrationsgeschichte ebenso wie wenig religiöse Menschen mit internationalen Wurzeln. Der christliche Glaube ist keine Frage der Herkunft, sondern der persönlichen Beziehung zu Jesus Christus. Vielleicht können uns die öffentlichen Glaubenszeugnisse dieser Sportler aber daran erinnern, dass wir in Deutschland vielfach verlernt haben, selbstverständlich von unserem Glauben zu sprechen.
An einer Aussage Felix Nmechas lohnt sich allerdings auch eine kritische Nachfrage. Er hat sinngemäß erklärt, Jesus werde durch sein Fußballspiel verherrlicht. Das klingt zunächst einmal gut. Doch das Neue Testament kennt die Verherrlichung Gottes vor allem dort, wo Menschen ihm im Gehorsam nachfolgen, ihren Nächsten lieben und barmherzig sind. Ein Fußballspiel oder sportlicher Erfolg als solche verherrlichen Gott noch nicht. Christlicher Glaube zeigt sich nicht zuerst im Gewinnen von Spielen, sondern in Demut, Wahrhaftigkeit und Liebe – unabhängig vom Ergebnis.
Darüber hinaus stellt sich grundsätzlich die Frage, wie gut der Profifußball überhaupt mit dem Evangelium vereinbar ist. Jesus sagt in der Bergpredigt:
„Ihr könnt nicht Gott dienen und dem Mammon.“
Doch der Mammon steht dabei nicht nur für Geld. Der österreichische Psychiater Rafael Bonelli, Vater von sieben Kindern und gläubiger Katholik, spricht in diesem Zusammenhang von der „trivialen Trias“ aus Geld, Macht und Ruhm – drei Dinge, die den Menschen leicht gefangen nehmen können. Kaum ein Bereich unserer Gesellschaft verkörpert diese Versuchung so deutlich wie der internationale Profisport. Millionengehälter, Vermarktung, Personenkult und wirtschaftliche Interessen bestimmen den Alltag. Das Evangelium dagegen ruft zur Selbstverleugnung, zur Demut, zur Bescheidenheit und zur Bereitschaft, das eigene Kreuz zu tragen auf. Zwischen diesen beiden Welten besteht eine Spannung, die sich nicht einfach auflösen lässt.
Gerade deshalb sind gläubige Sportler besonders herausgefordert. Sie laufen Gefahr, ihren Glauben zur persönlichen Erfolgsgeschichte werden zu lassen oder religiöse Aussagen mit sportlichem Triumph zu verbinden. Gleichzeitig können sie aber auch mitten in einem von Geld und Prestige geprägten Umfeld Zeugnis für Christus ablegen. Entscheidend ist nicht, wie viele Tore geschossen oder Titel gewonnen werden, sondern ob Menschen in ihrem Leben tatsächlich auf Jesus Christus hinweisen.
So bleibt am Ende dennoch ein erfreuliches Fazit. Während der Fußball-Weltmeisterschaft wurde nicht nur über Taktik, Transfers und Ergebnisse gesprochen, sondern auch über Gebet, Glauben und Jesus Christus. Millionen Menschen sahen Bilder betender Spieler oder lasen ihre Glaubenszeugnisse in den sozialen Medien. Ob daraus bleibende Früchte entstehen, weiß Gott allein. Doch wo Christus öffentlich bekannt wird, darf sich auch die Kirche freuen. Vielleicht erinnern uns gerade diese Sportler daran, dass der Glaube nicht hinter Kirchenmauern verborgen bleiben soll, sondern mutig und zugleich demütig in die Öffentlichkeit gehört.
Der deutsche Fußball-Nationalspieler Felix Nmecha sorgte, zusammen mit seinem Nationalmannschaftskollegen Jonathan Tah, für Aufsehen, als er nach dem Spiel gegen Curacao gemeinsam mit den Spielern der gegnerischen Mannschaft betete.
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