Komm herab o heilger Geist

Neun Tage Gebet mit der Pfingstsequenz

 

„Komm herab, o Heiliger Geist!“ betet die Kirche neun Tage lang von Christi Himmelfahrt bis Pfingsten. Mit Maria und den Aposteln verharrt sie „einmütig im Gebet“ (Apg 1,14), damit Gottes Geist kommen möge wie beim ersten Pfingsten: „Da kam plötzlich vom Himmel her ein Brausen, wie wenn ein heftiger Sturm daherfährt, und erfüllte das ganze Haus, in dem sie waren. Und es erschienen ihnen Zungen wie von Feuer, die sich verteilten; auf jeden von ihnen ließ sich eine nieder. Alle wurden mit dem Heiligen Geist erfüllt.“ (Apg 2,1-4) Der Heilige Geist ist die Seele der Kirche. Durch ihn besteht sie und erneuert sich. 

 

Pfingstsequenz

Unter einer Sequenz (sequens = lat.: folgend) versteht man einen liturgischen Gesang vor dem Evangelium, der im Mittelalter aus dem Halleluja-Ruf erwachsen ist. Die Pfingstsequenz „Veni Sancte Spiritus“ stammt aus der Zeit um das Jahr 1200 und wird Kardinal Stephen Langton, Erzbischof von Canterbury, zugeschrieben. Die zehn Strophen mit jeweils drei Zeilen sind ein inständiges Bitten um das Kommen des Geistes in jedes Herz, in die Kirche und die ganze Welt:

 

Komm herab, o Heiliger Geist,
er die finstre Nacht zerreißt,
strahle Licht in diese Welt. 

Komm, der alle Armen liebt,
komm, der gute Gaben gibt,
komm, der jedes Herz erhellt.

Höchster Tröster in der Zeit,
Gast, der Herz und Sinn erfreut,
köstlich Labsal in der Not.

In der Unrast schenkst du Ruh,
hauchst in Hitze Kühlung zu,
spendest Trost in Leid und Tod.

Komm, o du glückselig Licht,
fülle Herz und Angesicht,
dring bis auf der Seele Grund.

Ohne dein lebendig Wehn
kann im Menschen nichts bestehn,
kann nichts heil sein noch gesund.

Was befleckt ist, wasche rein,
Dürrem gieße Leben ein,
heile du, wo Krankheit quält.

Wärme du, was kalt und hart,
löse, was in sich erstarrt, lenke,
was den Weg verfehlt.

Gib dem Volk, das dir vertraut,
das auf deine Hilfe baut,
deine Gaben zum Geleit.

Lass es in der Zeit bestehn,
deines Heils Vollendung sehn
und der Freuden Ewigkeit.

Amen. Halleluja.

Auf vielen Bildern ist der Geist Gottes als Taube dargestellt, von oben kommend, so auch in unserer Kirche.